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Schweiz - Türkei

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Berichte

Datum: 17.04.2017                               Kilometer: 503                                   Ort: Portoroz / Slovenien

Ich hab es gedacht, dass es schwer wird zum Abfahren. Melanie und ich kamen in die Tiefgarage und was sehen wir? – Ein Transparent mit „Viel Glück usw. Der Abschied viel mir sauschwer. Das war immer das vor dem ich mich am meisten gefürchtet habe. Nun, ich zog schnell den Helm an, damit man nichts, oder fast nichts, sah. Ich hatte keine Musik und fuhr einfach drauflos. Langsam, denn ich habe neu Pneus und diese haben auch noch Stollen und damit auf dem Teer nicht die gleiche Haftung wie ich das gewohnt bin. Bis Splügen hat es immer wieder ganz leicht getröpfelt und es war bedeckt. Von Splügen an wurde das Wetter immer besser und die Fahrerei begann etwas Spass zu machen. Im Süden dann eitler Sonnenschein und die Temperaturen stiegen gegen 18 – 20 Grad. Um 12.45 Uhr habe ich dann in Chiasso die Schweiz verlassen und bin auf dem direkten Weg nach Venedig. Die Fahrt war super. Keine Lastwagen!!! – und fast kein Verkehr auf meiner Seite. Auf der Gegenseite hat es sehr lange Staus gehabt. Die mussten mich ja nicht stören. In Venedig bin ich dann noch an den Hafen und überlegte mir, wohin ich von hier aus fahren soll. Da kam mir die Blitz-Idee. Portoroz ist ja gleich nach Triest und dort kenn ich ein Hotel. Das Hotel heisst Luzija und ist ganz nett. Kaum habe ich an der Reception meine Daten abgegeben, piepst es auch schon in meinem Telefon. Melanie wartet auf Nachricht. Sofort ins Zimmer hoch und einloggen. Dann der grosse „Schwatz“ über Skype. Ich hab mich gefreut mit Melanie direkt sprechen zu können. Sie hat es heute ruhig angehen lassen und den Tag alleine „genossen“. Beim mir steht jetzt „futtern“ auf der Tagesordnung, denn ich habe heute nur ein Gipfeli in Thusis und ein Ragusa in der Chiasso-Tankstelle gegessen. Als ich in Chiasso an der Tankstelle stand, kam ein älterer Herr  auf mich zu und fragte mich, ob ich aus Appenzell sei. Ich bejahte. Er wäre auch ein Appenzeller, aber wohne schon länger nicht mehr im Kanton Appenzell. Sein Bruder wohne im Spitalgässli im viereckigen Haus. Ich sagte Ihm, dass ich dort alle Jahre den Strom ablesen gehe und ich sein Bruder kenne. Er wünschte mir noch eine schöne Fahrt. Es war eine schöne Begegnung. – Die Welt ist schon klein!! Morgen geht es Richtung Split. Wenn möglich, fahre ich alles an der Küste entlang. Das wird natürlich eine ganz andere Fahrt als heute auf der Autobahn. Ich freue mich.

Datum: 18.04.2017                              Kilometer: 490                           Ort: Split / Kroatien

Das ging  ja mächtig in die Hosen. Heute Morgen habe ich Melanie noch gesagt, dass es schönes Wetter sei. Als ich aus dem Hotel kam, musste ich feststellen, dass es sehr bedeckt war. Die Wolken haben aus dem Fenster bläulich ausgeschaut und jetzt sah ich, dass das dunkle Wolken waren. Na gut, dann fahre ich halt auf der Autobahn nach Split, anstatt an der Küste entlang. Ich habe dann auf dem Navi Split eingegeben und bin drauf los gefahren. Geregnet hat es nicht und alles schien normal. Nach etwa 30 Kilometer kam ich dann an den Border zu Kroatien. Ich glaube, ich war der Erste an diesem Tag. Das Navi hat mich kleine Strässchen fahren lassen und so kam ich dann an diesen besagten Border. Erst musste ich vom Motorrad steigen und in das Zollhäuschen der Slovenen. Dort musste ich meinen Pass zeigen und er tippte emsig meinen Namen dort ein. Anschliessend hielt er noch meinen Pass in einen Apparat  und fertig war die ganze Sache. Er öffnete den Schlagbaum und ich konnte nur etwa 5 Meter fahren bis zum nächsten Schlagbaum. Diesmal kam der Kroatische Zollbeamte und kontrollierte meinen Pass zum zweiten Mal. Zwei Kontrollen auf nicht mal 10 Meter. Dass habe ich noch nicht gesehen. Nun ging es weiter. Alles schön dem Navi nach. Nach etwa 20 Kilometer kam dann die Autobahneinfahrt in Richtung Split. Inzwischen hatte es angefangen zu Regnen. Bei der nächsten Reststätte hielt ich an und zog meinen Regenanzug an. Dafür hat man ihn ja!! Nun, ich bin dann weiter gefahren. Nach etwa 40 Kilometer auf der Autobahn wurde der Regen immer heftiger und kälter wurde es auch. Meine Temperatur-Anzeige war auf 3 Grad und ich gewann immer mehr an Höhe, so ca. 700 Meter über Meer. Als ich aus einem Tunnel herauskam traf mich fast der Schlag. Es schneite wie im dicksten Winter und bei mir gingen natürlich die Alarmglocken los. Mein Visier und meine Frontscheibe waren innert Sekunden zu. Es war mir nicht möglich, das Visier schneefrei zu halten und ich musste das Visier öffnen, damit ich wenigstens etwas sah. Dabei war natürlich meine Brille auch kein grosses Hilfsmittel. Zum Glück kam nach ein paar Kilometer mit der Warnblink-Anlage im Betrieb, eine Raststätte. Dort fragte ich den Betreiber, wie das mit dem Schnee ausschaut. Der zückte sein Telefon und öffnete eine App mit den Life-Bilder in 10 und in 40 Kilometer. Nach 10 Kilometer war die Strasse noch einigermassen frei, aber nach 40 Kilometer hatte es etwa 10 cm Schnee auf der Strasse. Ich müsse sofort umkehren und zurück nach Rijeka. Da ich mich auf einer Autobahn bewegte, fragte ich Ihn. In wie vielen Kilometer denn eine Ausfahrt käme. Er sagte, in etwa 9 Kilometer. Ich müsse jetzt sofort losfahren, sonst sieht es hier gleich aus wie erst in 40 Kilometer. Ich fuhr sofort los. Natürlich im Schnecken-Tempo und die Warnlichter habe ich auch eingeschaltet gehabt. Tatsächlich nach den besagten 9 Kilometern kam dann die Ausfahrt. Dort war zugleich auch wieder die Einfahrt in die andere Richtung. Nach etwa 25 Kilometern ging der Schnee wieder in Regen über und ich fuhr bis nach Opatija an die Küste. Von dort gings im Dauerschiff, und dies nicht zu knapp, bis nach Zadar. Der Regen wäre ja noch gegangen, denn ich hatte ja einen super Regenanzug, doch der Wind, hier JUGO genannt, hielt mich wirklich auf Trab. Bis nach Zadar habe ich etwa 4 Stunden gehabt. Ich konnte höchstens mit etwa 60 Stundenkilometern fahren. Mehr war einfach nicht möglich. Unterwegs sagte ich mir, in Zadar ist Schluss. Ich werde dort ein Hotel suchen und dann ausruhen. Ich war richtig fix und foxi. Etwa 20 Kilometer vor Zadar fuhr ich an eine Autobahn-Einfahrt. Ich überlegte mir, dass es jetzt nicht mehr hoch geht und ich ruhig die 20 Kilometer noch auf der Autobahn fahren kann. So beschloss ich, auf die Autobahn zu wechseln. Als die Ausfahrt Zadar kam, rechnete ich aus, dass wenn ich weiterhin mit etwa 120 Kilometern in der Stunde fahre, die restlichen 140 Kilometer bis nach Split in etwa 90 Minuten doch noch schaffen könnte. Dies habe ich dann auch getan. Um 18.30 Uhr bin ich halb erfroren und mit nassen Händen und Füssen in Split angekommen. Im Hotel habe ich sofort gefragt, wo ich essen könnte. Nach einer ausgiebigen warmen Dusche habe ich mich dann auf den 10 minütigen Spaziergang zum nächsten Restaurant gemacht, wo ich dann auch sehr gut verpflegt wurde. Nun bin ich wieder im Hotel und schreibe meinen Bericht. Ich bin sicher, dass ich heute „muurtick“ schlafen werde. Übrigens, Morgen hat er schönes Wetter angesagt. Ich hoffe es zumindest, denn zwei solche Tage wären schon happig!

Datum: 19.04.2017                       Kilometer: 368                                   Ort: Podgorica / Montenegro

Heute bin ich in Split bereits um 8.15 Uhr abgefahren. Ich habe auf dem Wetterbericht gesehen, dass es in Sarajewo schneit und habe mich deshalb entschlossen, über Montenegro die Türkei zu erreichen. Ich habe Podgorica eingegeben, mit Zwischenziel Kotor, damit er mich auf jedenfall an der Küste entlang nimmt. Ich musste erst mal durch den Zoll von Bosnien. Die Kroaten sind genauso unfreundlich wie die Bosnier. Der Bosnier verlangte sogar die grüne Versicherungskarte. Nun, dann soll er die haben. Dann ging es weiter. Etwa 200 Kilometer habe ich auf der Autobahn abgespuhlt. Das Wetter war recht schön und angenehm von der Temperatur her. Über Bosnien bin ich dann in Montnegro gelandet. Allerdings musste ich am Zoll etwa 90 Minuten warten. Nein, nicht wegen dem Zoll. Die Strasse nach dem Zoll war gesperrt bis 15 Uhr. Einige auch hängengebliebene regten sich mächtig auf. Die Zöllner waren auch nicht die aufgestelltesten. Ich müsste mich anstrengen um den ganzen Tag so grimmig drein zu schauen. Etwa 30 Kilometer vor Podgorica hat es leicht angefangen zu regnen. Ich musste aber mein Regen-Anzug nicht montieren, denn der Regen war wirklich nur schwach. Nun bin ich Podgorica in einem recht schönen Hotel. Da ich wieder einmal den ganzen Tag nichts gegessen habe, musste ich sofort ein Club-Sandwich einwerfen. Der Hunger war sofort verflogen. Jetzt plane ich, dass ich morgen Albanien durchquere und dann über Griechenland in die Türkei fahre. Er hat zwar morgen für Tirana regen angesagt. Aber besser Regen als Schnee. Heute geht’s sicher früh ins Bett, denn ich bin hundemüde.

Datum: 20.04.2017              Kilometer: 368                                   Ort: Kastorgia / Griechenland

Nach einer guten Nacht gings heute Morgen erst mal frühstücken. Es hatte von allem was man sich so wünschen kann. Ich muss schon sagen, dass das ein super Hotel war. Übrigens zum Nachtessen gestern Abend ging ich nicht mehr, denn das Club-Sandwich hatte mich gefüllt, dass ich gar keinen Hunger mehr hatte. Um 9 Uhr bin ich dann bei eitlem Sonnenschein in Podgorica  losgefahren Richtung Albanischer Grenze. Dort musste ich erstmal bei den Montenegrianer anstehen und den Spuck über mich ergehen lassen. Anschliessend musste ich wieder bei den Albanern anstehen und das gleiche Spiel ging von neuem los. Insgesamt musste ich etwa 40 Minuten für den Übergang über mich ergehen lassen. In Südamerika muss man 3 – 4 Stunden rechnen. Dann ist das ja halb so schlimm. Von dort aus fuhr ich direkt nach Triana, der Hauptstatt von Albanien. Eigentlich wollte ich, dass mich das Navi um die Stadt herum führt. Dem war aber nicht so. Es zog mich durch die ganze Stadt. Alles hat Geschwindigkeitsbeschränkung bei 30 Std./km. Das war unmöglich zu fahren. Ich bewegte mich, wenn ich nicht stand, mit höchsten 10 – 20 Std./km. Das hat mich alleine etwa eine Stunde gekostet. Albanien habe ich von Nord nach Süd durchquert. Alles ohne Autobahn. Die Strassen waren mehr oder weniger „OK“. Überall lauerten die Polizisten. Ich hielt mich, wenn immer möglich an die Beschränkungen, ausser, sie waren so absurd, dass ich es nicht verstehen konnte. Dann bin ich halt wie die Anderen gefahren. Das Wetter Richtung Griechischer Grenze wurde immer schlechter. Als ich sah, dass es zu hageln begann, zog ich sofort meinen Regenanzug an, damit ich gewappnet war. Auch bot sich mir idealerweise gleich eine Gelegenheit, um in einem Unterstand den Tenufez zu erledigen. Anschliessend gings wieder in die Berge, wo es bitterkalt wurde. 2 Grad zeigte meine Temperatur-Anzeige auf dem Gipfel von mehr als 1000 Metern über Meer an. Zu meinem Erstaunen kam ich nicht mehr in den Regen. Entweder war er kurz vor meiner Ankunft da, oder ich fuhr Ihm davon. Zum Teil waren die Strassen nass. An der Grenze zu Griechenland war ich erstaunt, dass mein Navi für 70 Kilometer die Ankunftszeit für mein Zielort Kastorgia in Griechenland 2 Stunden voraussagte. Nach längerem überlegen habe ich dann gemerkt, dass ich wieder einmal unbemerkt eine Zeitzone überschritten habe. Das heisst für mich und meine werten Leser, dass ich eine Stunde voraus bin. Der Grenzübergang als solches verlief genau gleich wie beim Übergang nach Albanien. Ein kleiner Unterschied habe ich dennoch festgestellt. Als mir der Griechische Zöllner mein Pass zurückgab, sagte er mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen „Willkommen in Griechenland“. Wieso geht das nicht immer so? Das sind drei Worte, die sofort sympathisch sind. Als ich in Kastorgia ankam war es inzwischen bereits 19 Uhr und ich hatte Hunger. Einfach nur Hunger. Beim ersten Hotel hatten sie Zimmer aber das Restaurant war geschlossen. Rund herum auch kein Restaurant. Nun das Fräulein an der Reception sagte mir dann, ich solle doch in die Stadt hineinfahren. Dort hätte es auch Hotels und Restaurants. Ich bin dann in die Stadt hinein gefahren. Diese liegt an einem schönen See. Dort habe ich wiederum ein recht schönes Hotel gefunden. Nebenan hatte es ein Restaurant wo ich mir den Bauch vollschlagen konnte. Mein Plan sieht jetzt wie folgt aus: Morgen bleib ich sicher noch in Griechenland. Ich werde in die Nähe der Türkischen Grenze fahren und wenn möglich, irgendwo am Meer übernachten. Mal schauen wie mein Plan aufgeht. Morgen habe ich dann sicher wieder etwas zu schreiben.

Datum: 21.04.2017                        Kilometer: 490                               Ort: Alexandroupoli / Griechenland

Heute bin ich in Kastorgia richtig aufgestellt losgefahren, mit dem Wissen, dass ich heute recht früh am Ankunftsort Alexandoupoli ankommen werde. Das GPS sagte etwa um 14.30 Uhr und ich rechnete mit 15.30 Uhr. Insgesamt 1 Stunde Pause dazwischen. Das ging perfekt auf. Ich spulte die ganzen Kilometer auf der Autobahn ab. Das Wetter war herrlich. Anfangs noch mit 6 Grad, was recht kalt war. Aber nach einer Stunde und im Wissen dass es runter geht auf Meereshöhe, stiegen die Temperaturen so um 14 – 15 Grad. Die Autobahnen in Griechenland sind wie leergefegt. Minuten lang kam mir kein Auto entgegen und wenn ich nach vorne schaute und in den Rückspiegel schaute, einfach kein Auto. Die Bahn gehörte mir! – und niemand anderem! Die Route führte mich über Thessaloniki nach Alexandroupoli. Um Thessaloniki hatte es etwas mehr Autos und Lastwagen und anschliessend wieder das gleiche Bild. Ich überholte noch 4 Deutsche auf Ihren Harleys. Einer grimmiger als der Andere, doch gewunken haben sie dennoch. Die als Harleyfahrer und ich als Töfffahrer! Ich bin hier im Hotel Marianna. Klein und fein. Das Wifi funktioniert auch tadellos. Als ich ankam habe ich mich umgezogen und bin sofort auf einen kleinen Stadtrundgang und an den Beach. Es ist auch hier sehr kalt. Es hat so um 12 Grad. Wenn die Sonne scheint und nicht gerade eine der dunklen Wolken davorsteht ist es recht angenehm. Windstill muss es sein, ansonsten friert man unweigerlich. Etwa um 16.30 Uhr habe ich noch eine kleine Zwischenverpflegung mit Getränk zu mir genommen, damit ich am Abend nicht allzu grossen Hunger habe. Sie haben mir Chicken in ein Fladenbrot gelegt mit so einem Frischkäse und Ketschup drauf. Es hat nicht schlecht geschmeckt. Morgen geht es ins Erdogan-Land nach Istanbul. Ich rechne damit, dass ich sicher 1 Stunde für die Grenze benötige. Auf dem Navi gibt er mir 300 Kilometer an mit ca. 3 Stunden Fahrzeit. Ich rechne damit, dass ich nicht direkt in Istanbul übernachten werde. Ich fahre wahrscheinlich direkt ans Schwarze Meer und suche mir in Küstennähe eine Unterkunft.

Datum: 22.04.2017                                Kilometer: 555                    Ort: Akcakoca / Türkei

Heute, ja Heute geht wieder ein Scheisstag zu Ende. Nun mal der Reihe nach. Gestern Abend bin ich noch etwas essen gegangen. Es hatte eine Menge Restaurants aber in keinem hatte es Gäste. Überall standen die Kellner ihre Beine in den Bauch und warteten. Nach zwei Corsos  entschied ich mich für eines, wo bereits ein Pärchen am Essen war. Ich ging hinein und fragte höflich ob es noch Platz für ein hungriger Bauch hätte. Er wies mir den schlechtesten Tisch zu und ich fragte Ihn, ob ich nicht am Fenster an einem Vierer-Tisch platz nehmen könne? Nein war die Antwort. Es könnten ja noch mehr Gäste kommen!!! – ich sei ja nur alleine. Nun ich habe halt dann an diesem Tisch platz genommen. Das Essen war ok. Mehr aber nicht! Bis 22 Uhr sind keine weiteren Gäste gekommen!! Dann gings ab ins Hotel wo ich meinen 10 Stündigen Superschlaf genoss. Am Morgen dann ab zum Frühstück und dann ab auf den Bock, Richtung Türkischer Grenze. Ich hatte gestern mit etwa einer Stunde gerechnet. Es wurden dann wieder 100 Minuten. Bis ich nur mal aus Griechenland auschecken konnte, dauerte es schon mindestens eine halbe Stunde. Beim Anstellen von zwei Kolonnen habe ich natürlich wieder die Arschkarte gezogen. In meiner Kolonne hatte es Russen, Bulgaren etc. Die dauern einfach entsprechend länger. Nun, das ging dann auch vorbei. Anschliessend kam der Türkische Zoll. Auch dort zwei Kolonnen und auch dort zog ich die Arschkarte. Bei der ersten Schleuse verlangte er nur die grüne Versicherungskarte. Bei der zweiten Schleuse musste ich den Pass zeigen. Dort haute er mir einen Stempel hinein. Dann gings zur dritten Schleuse. Der fragte mich, ob ich etwas zu verzollen hätte, was ich natürlich verneinte. Bei der vierten Schleuse wollte er noch mein Fahrzeugausweis sehen. Dann endlich durfte ich ins gelobte Erdogan-Land. Kurz nach dem Border hielt ich an um mein Pass und alle anderen Papiere wieder ans richtige Örtchen zu versorgen. Da kam ein Pärchen und zwei ältere Herren auf mich zu und fragten erst wohin die Reise gehe. Die Frau des Pärchens sprach sehr gut Englisch und übersetzte immer wieder die Fragen der älteren Herren, welche natürlich wissen mochten wie teuer das der Töff sei usw. Am Schluss lud sie mich noch zu einem Türkischen Tee ein, den sie an einem Stand unweit meines Aufenthaltsortes holte. Er hiess Jusuf und ihren Namen habe ich schlichtweg vergessen. Auf alle Fälle war das eine schöne Begegnung und die Türken waren mir irgendwie sympathisch. Das Wetter war herrlich bei grandiosen 14 – 16 Grad. Dann gings auf eine Schnellstrasse und ich kam recht gut voran Richtung Istanbul. Ca. 20 Kilometer vor Istanbul war dann Chaos angesagt. Was auf den Türkischen Strassen, vor allem um Istanbul abgeht, das haut einem fast aus dem Feuerstuhl. Da hat es Blechlawinen, das kann man sich kaum vorstellen. Am Strassenrand stehen Tafeln mit 120 drauf und man steht. Ich hatte etwa 2 Stunden für 40 Kilometer. Kaum lief es wieder ein wenig, kamen die Rowdys. Die machen Wettrennen auf der Autobahn, sowas habe ich noch nicht gesehen. Überholen auf dem Pannenstreifen war keine Seltenheit. Die sind Hirnamputiert und Schwanzgesteuert!!!!!! Über den Bosporus wollte ich noch filmen, doch der Aku war leer. Scheisse und nochmals Scheisse. Eine 8-spurige Schnellstrasse führt über diese Meerenge. Nun war ich auf der Asiatischen Seite der Türkei. Nach Istanbul wurde das Wetter immer schlechter und just, als ich in einer Autobahnraststätte einen Hamburger vom Burger King zu mir nahm, begann es zu regnen. Ich schnallte halt wiederum mein Regenanzug an und fuhr nach Karasu. Was ich dort aber antraf kann ich höchstens als ein dreckiges Dorf bezeichnen. Weit und breit kein Hotel. Inzwischen war es 18.30 Uhr und es war nicht nur nass sondern auch 7 Grad kalt. Mir blieb nichts anderes übrig und weiter zu fahren am Schwarzen Meer entlang. Ich habe dann das 40 Kilometer weiter entfernte Dorf Akcakoca auf dem Navi eingegeben, in der Hoffnung, dass es dort ein vernünftiges Hotel gibt. Nun, ich wurde nicht enttäuscht. Ich habe etwa um 19.30 ein nettes Hotel am Beach gefunden. Sehr nette Leute hier und sehr zuvorkommend. Morgen habe ich Samsun im Visier. Mal schauen wies kommt. Ich hoffe dass das Wetter einfach besser wird und die Temperaturen endlich zu steigen beginnen.

Datum: 23.04.2017                         Kilometer: 0                                         Ort: Akcakoca / Türkei

Heute Morgen schaute ich zum Fenster hinaus und mich traf fast der Schlag. Es regnete wie aus Kübeln und windete als wäre es ein Sturm. Nun machte ich mich auf zum Frühstücksraum um dort etwas Kleines zu essen. Es war wirklich nur eine trockne Scheibe Brot und so etwas, was nach Kaffee roch. Während dieser trockenen Scheibe Brot und dem Abwaschwasser-Kaffee habe ich eingesehen, dass das heute nichts bringt. So kann und will ich nicht losfahren. Die Entscheidung war schlussendlich gut. Erstens konnte ich nochmals hinlegen und etwas schlafen. Die letzten Tage haben ein bisschen an meiner Substanz genagt. So konnte ich diese Batterien wieder aufladen. Bis Mittag um 14 Uhr hatten wir Dauerregen. Ab dieser Zeit, wurde der Regen immer weniger und tatsächlich, eine Stunde später, kam die Sonne noch kurz zu Besuch. Ich lief heute Morgen mit dem Schirm bewaffnet ins Städtchen hinein um zu sehen wo ich überhaupt bin. Ich musste aber nach einer halben Stunde aufgeben, denn der Schirm war einfach zu klein und meine Hand, mit welchem ich den Schirm hielt, war so klamm, dass ich diesen kaum mehr halten konnte. Es waren fast keine Leute unterwegs. Die, die unterwegs waren, hatten Handschuhe an und Kappen auf. Eigentlich habe ich mir gedacht, dass ich die grösste Kälte am Schwarzen Meer hinter mir hätte doch wurde ich eines besseren belehrt. Ich konnte heute auch eine kleine Handwäsche machen. Ich habe hier im Zimmer zwei grosse Radiatoren welche recht warm sind. Bis Morgen wird die Wäsche wieder trocken sein. Morgen mache ich nochmals einen Versuch Richtung Samsun. Wenn möglich versuche ich auch noch weiter zu kommen um den verlorenen Tag wieder aufzuholen. Doch mit der Brechstange fahre ich nicht. Ich habe die Möglichkeit dann im Iran eine kürzere Strecke zu fahren oder eventuell auch mal eine Doppel-Etappe einzulegen. Er hat zwar auf Morgen auch wieder Regen angesagt. Doch der soll nicht mehr so heftig sein. Ich bin guten Mutes und hoffe einfach darauf. Jetzt mach ich mich langsam bereit zum Abendessen. Im Hotel hat es ein recht schönes Restaurant. Doch mit der Leserei der Speisekarte habe ich zugegeben recht Mühe. Die vielen Ä Ö Ü sind für mich nur ein kauderwelsch und die meisten sprechen auch kein Englisch. Das macht die Kommunikation dann recht holperig. Na ja, verhungern muss ich nicht und fress halt das, was dann ankommt. Anders formuliert Menu surprise!

Datum: 24.04.2017                          Kilometer: 554                         Ort: Samsun / Türkei

Nein, nicht nur ein Regentag sondern ein Schneetag geht zu Ende. Heute Morgen habe ich den Wecker auf 7 Uhr gestellt. Ich bin zum Frühstücken. D.h. einen Tee und ein Stück trockenes Brot habe ich gegessen. Um 8 Uhr bin ich dann losgefahren. Das Wetter, wie kann es denn anders sein, Regen! Aber nicht mehr so heftig wie am Vortag. Nun, bei 7 Grad und leichtem Regen, dazu warm angezogen ging es dann los Richtung Samsun. Etwa 550 Kilometer hat mein Navi angezeigt. Nach rund 20 Kilometer, die Fahrt ging ständig Bergauf sah ich am Strassenrand weisse Würste oder so. Auf alle Fälle habe ich dem nicht weiter Beachtung geschenkt und bin weitergefahren. Stets bergauf. Die Würstchen wurden bald zu Maden und dann dämmerte es mir. Das ist Schnee von gestern. Ich hatte noch keine 400 Höhenmeter und schon Schnee. Der Schnee muss vom Vortag sein. Zum Glück bin ich gestern nicht abgefahren ansonsten hätte ich sicher wieder zurück fahren müssen. - Waren so meine Gedanken. Die Strasse war nicht schneebedeckt und so konnte ich ruhig weiterfahren. Dass ich aber noch über einen Pass musste, der 1400 Meter über Meer lag, kam mir gar nicht in den Sinn. Ich habe damit gerechnet, dass ich höchstens über einige Hügel fahren muss welche einige hundert Meter hoch sind. Aber das war natürlich im sprichwörtlichen Sinn der Gipfel. Der Schnee wurde immer mehr und als es den Pass hinauf ging, kamen mir bei etwa 800 Meter über Meer bereits die ersten Schneeflocken entgegen. Die Temperatur-Anzeige blinkte wie verrückt. Sie zeigte mir am kältesten Ort – 2 Grad an. Mensch war das kalt. Zum Glück wurden die Strassen nicht bedeckt aber an ein normales Fahren war kaum zu denken. Für die ersten 200 Kilometer hatte ich über 4 Stunden. Nach dem Pass entschloss ich mich, in einem Restaurant einen Tee zu genehmigen. Ich schlotterte am ganzen Körper. Ich fragte den Kellner, wie viel ich bezahlen müsse. Er sagte ich sei ein Crazy-Man. Ich müsse nicht bezahlen. Ich machte mir so meine Gedanken und bedankte mich sehr für den heissen Tee. Nach einer viertel Stunde konnte ich aufgewärmt und na ja mit Elan kann man das nicht bezeichnen, weiter auf den Weg machen. Nach dem Pass wurde der Niederschlag immer weniger und auch die Strassen trockneten immer weiter ab. Die Temperaturen stiegen wieder so um 5 – 6 Grad, was auszuhalten war. Die weiteren 200 Kilometer gingen immer so weiter. Mal wieder auf 800, dann wieder auf 1100 Meter über Meer. Etwa 80 Kilometer von Samsun kam dann wieder heftiger Regen und der blieb bis Samsun selber. Ich habe hier recht zügig das Hotel Grand Asos gefunden. Ich durfte das Bike direkt vor dem Hoteleingang parkieren. Der Rezeptionist gab mir zu verstehen, dass er immer ein Auge darauf werfen kann und so nichts passieren würde. Ich hoffe es!! Morgen hat er endlich gutes Wetter angesagt. Zwar nur 10 Grad aber immerhin. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Datum: 25.04.2017                                                    Kilometer: 325                                Ort: Trabzon / Türkei

Nun endlich wurde ich erhört. Schönes Wetter lachte mich am Morgen an. Ich habe mein Bike gepackt und bin um 8.30 Uhr Richtung Trabzon abgefahren. Alles an der Küste entlang. Aus der Stadt Samsun kam ich dank dem GPS problemlos heraus. Ich wüsste nicht, was ich ohne mein Navi machen täte. Ich müsste wieder zurück wie zu Grossvaters Zeiten und mir einen Stadtplan besorgen, damit ich aus den Städten wieder herausfinden würde. Es war insgesamt eine unspektakuläre Fahrt. Schönes Wetter aber dennoch recht kühl. Mehr als 13 Grad hatte ich nie auf dem Thermometer. Während der Fahrt meldete mir mein Bord-Infosystem, dass ich vorne zu wenig Luft hätte. Nur noch 2.1 Bar. Ich beschloss beim nächsten Tankhalt auch noch die Luft zu kontrollieren. Und tatsächlich hatte ich vorne zu wenig Luft. Mit der Hilfe des Tankwartes kapierte ich dann auch, wie dieser Apparat funktionierte. Besser gesagt, der Tankwart verpasste mit eine Portion Luft für meinen Vorderreifen. Anschliessend ging es wieder munter weiter. Kurz vor Trabzon habe ich mein Navi konsultiert und gab dort Hotels ein. Durchs Navi hab ich jetzt ein super schönes Suite Hotel gefunden. Ich bekam auch eine Suite mit Stube, Küche und Schlafzimmer. Balkon und Bad fehlen natürlich auch nicht. Man gönnt sich ja sonst nichts. Das ganze kostet 170 Türkische Lira. Umgerechnet ca. 46 SFR. In den letzten Tagen habe ich immer so um 25 – 30 Franken bezahlt. Die Hotels sind unheimlich günstig und die Angestellten sehr zuvorkommend. Da ich vergleichsweise nur einen kurzen Hüpfer gemacht habe, bin ich bereits um 14.30 Uhr angekommen und habe mich gleich nach dem Tenufez auf einen längeren Fussmarsch am Meer entlang gemacht. Nach etwa einer halben Stunde habe ich dann ein Restaurant gesehen, welches auch mit Kaffee angeschrieben stand. Dort bekam ich erstmals wieder einen rechten Kaffee mit „Schümli“. Allerdings war der Kaffee eher bitter aber das sollte kein Abbruch sein und bestellte gleich noch einen. Morgen überquere ich dann die Grenze zu Georgien. Mal schauen was mich dort alles erwartet. Ich werde mich heute Abend im Internet im Detail schlau machen. Ich bin guter Hoffnung, dass das Wetter weiterhin so bleibt. Eine kurze Anekdote hätte ich noch. Als ich am Luft holen war für meinen Reifen, fuhr ein kleiner Laster auch zur Luftstation. Auf dem Laster hatte es eine Unmenge von Erdbeeren. Sein vorderer Reifen war platt. Er fragte mich woher ich komme und so. Als ich ihm alles erklärte kam er mit einer Handvoll Erdbeeren wieder zurück und gab sie mir als Geschenk. Die Erdbeeren waren supersüss. Übrigens ein Kilo Erdbeeren kostet hier 3 Türkische Lira. Umgerechnet etwa 75 Rappen!

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